Wozu Kompressionsstrümpfe eigentlich dienen
Kompressionsstrümpfe üben einen gezielten, von unten nach oben abnehmenden Druck auf das Bein aus und unterstützen so den venösen Blutrückfluss zum Herzen. Eingesetzt werden sie unter anderem bei:
- Venenschwäche und Krampfadern
- Ödemen, also geschwollenen Beinen
- Thromboseprophylaxe, etwa nach Operationen oder auf langen Reisen
- während der Schwangerschaft
- nach Venenoperationen oder Verletzungen
Kompressionsklassen (I–IV) einfach erklärt
Die Stärke der Kompression wird in vier Klassen eingeteilt. Welche Klasse im Einzelfall passt, legt der Arzt fest – sie richtet sich nach Beschwerdebild und Diagnose, nicht nach persönlicher Vorliebe.
- Klasse I (leichte Kompression, ca. 18–21 mmHg): leichte Venenschwäche, schwere und müde Beine, häufig in der Schwangerschaft
- Klasse II (mittlere Kompression, ca. 23–32 mmHg): ausgeprägte Krampfadern, Zustand nach Venen-OP, die meistverordnete Klasse
- Klasse III (kräftige Kompression, ca. 34–46 mmHg): stärkere Ödeme und fortgeschrittene chronisch-venöse Insuffizienz
- Klasse IV (sehr kräftige Kompression, über 49 mmHg): schwere Lymphödeme, seltene Spezialfälle
Kompressionsstrümpfe richtig anziehen – Schritt für Schritt
- Am besten morgens anziehen, solange die Beine noch nicht angeschwollen sind.
- Den Strumpf bis zur Ferse auf links drehen, sodass er wie eine Faust in der Hand liegt.
- Den Fuß einschlüpfen lassen und die Ferse exakt positionieren.
- Den Strumpf Stück für Stück nach oben „hochkrempeln” – niemals mit Kraft hochziehen oder zerren.
- Falten glattstreichen und auf eine gleichmäßige Verteilung des Materials achten.
- Gummihandschuhe mit Silikonnoppen erleichtern den Griff und schonen Strumpf wie Fingernägel gleichermaßen.
Anziehhilfen, die den Alltag deutlich erleichtern
Gerade bei eingeschränkter Beweglichkeit, wenig Kraft in den Händen oder Rückenproblemen lohnt sich der Blick auf spezielle Hilfsmittel:
- Gleit- bzw. Anziehsocken aus glattem Gewebe, über die der Kompressionsstrumpf leicht hinweggezogen wird
- Metallgestell-Anziehhilfen (sogenannte „Butler”), die den Strumpf offenhalten, während der Fuß hineingleitet
- Gummihandschuhe mit Silikonnoppen für besseren Grip
- Motorisierte bzw. elektrische Anziehhilfen für stark eingeschränkte Beweglichkeit
Welche Anziehhilfe am besten passt, hängt von Beweglichkeit, Handkraft und der Kompressionsklasse ab – wir beraten dazu individuell im Sanitätshaus.
Pflege und Haltbarkeit: waschen, trocknen, wechseln
- Täglich waschen, idealerweise mit Feinwaschmittel bei 30–40 °C im Schongang oder per Handwäsche
- Keinen Weichspüler verwenden – er greift die elastischen Fasern an
- Nicht in den Trockner geben, liegend an der Luft trocknen lassen
- Am besten zwei Paar im Wechsel tragen, damit sich die Kompressionsfasern zwischen den Tragetagen erholen können
- Nach etwa drei bis sechs Monaten regelmäßigen Tragens lässt die Kompressionskraft merklich nach – dann ist ein neues Paar sinnvoll
Wie lange am Tag sollte ich Kompressionsstrümpfe tragen?
In der Regel werden Kompressionsstrümpfe über den ganzen Tag getragen und abends vor dem Schlafengehen wieder ausgezogen. Eine Ausnahme bilden speziell dafür vorgesehene Reise- oder Thrombosestrümpfe, die auf ausdrückliche ärztliche Anordnung auch nachts getragen werden können. Gerade zu Beginn empfiehlt es sich, die individuelle Tragedauer mit dem Arzt oder unserem Fachpersonal abzustimmen.